Freitag, 23. Dezember 2011

Die Weihnachtsretrospektive

Zusammen mit meinem Freund, Kollegen und Chef Henning Wolf habe ich dieses Jahr wieder eine it-agile-Weihnachtsgeschichte geschrieben. Ich hoffe, Sie gefällt euch!



























Frederick, 8 Jahre
Heute haben wir was Lustiges gemacht: eine Retrospektive mit mir, Agathe, Papa, Mama und Oma. Papa hat gesagt, das hätte unsere Familie dringend nötig, weil unser Weihnachten immer so stressig ist. Das fing schon spannend an: Dort sollten nämlich Detektive gegen Agent A kämpfen. Klar, dass Papa sofort meine Aufmerksamkeit hatte. Nach einer langweiligen Einführung von Papa bekam jeder von uns einen ganzen Haufen von diesen Stinky Notes. Dort sollten wir raufschreiben, was wir an unserem letzten Weihnachtsfest blöd fanden und was gut war. Papa sagte, wir sollten keine Schuldigen suchen. Das fand ich gut. Außer bei Agathe, denn die war ja wirklich Schuld daran, dass ich kein Geschenk für Mama hatte.
Die Zettel klebten wir dann alle auf einen lange Bahn Geschenkpapier, die Papa an die Wand geklebt hatte. Das war unser kleines Teimlein. Komisch war, dass Papa meinte, für ihn würde Weihnachten erst im Dezember anfangen. Da hat Mama ihn schon ganz böse angesehen. Und für mich beginnt die Weihnachtszeit schon im September - wenn es die ersten Marzipanbrote gibt! Danach hat Papa die Zettel irgendwie in Gruppen sortiert und dabei so seltsame Sachen gemurmelt wie „Laster bilden“. Dann wollte er den Problemen so richtig auf den Grund gehen mit „Ruth, Klaus, Anna, Liese“, aber keiner von denen ist aufgetaucht. Dann wurde es irgendwie langweilig, und ich hab nicht mehr richtig zugehört. Zwischendurch gab es Ärger, weil ich da was falsch verstanden hatte. Von wegen „alles an die Wand schreiben, was uns stört“. Wenn Papa will, dass ich Sachen auf Zettel schreibe, anstatt direkt auf die Wand, dann soll er das auch so sagen! Ich musste dann noch irgendeine Version unterschreiben. Danach haben wir Maßnahmen beschlossen, wie das nächste Weihnachten noch besser wird. Ich habe vorgeschlagen, dem Weihnachtsmann die Rute wegzunehmen. Aber der Vorschlag wurde abgelehnt. Immerhin muss ich nicht wieder mit in die Kirche. Am Ende hat Papa einen Witz von Santa Claus erzählt, den ich nicht kapiert habe.
Nächstes Jahr kommt dann ein extremer Mode-Rater, um die Retrospektive durchzuführen. Und was das Ganze jetzt mit Agenten und Detektiven zu tun haben sollte, hab ich immer noch nicht kapiert.



Papa, 45 Jahre
Na bitte, wer sagt´s denn! Nachdem ich heute mit meiner Familie eine Retrospektive zu unserem letzten Weihnachtsfest durchgeführt habe, wird das in Zukunft deutlich besser laufen. Am Anfang habe ich erst mal erklärt, was eine Retrospektive ist und wozu man die durchführt. Nach der Agenda habe ich die Erste Direktive für Retrospektiven vorgestellt: Was auch immer wir feststellen: wir gehen davon aus, dass jede(r) sein/ihr Bestes gegeben hat, entsprechend den Möglichkeiten, dem Wissen und den Umständen zum jeweiligen Zeitpunkt.
Gestartet haben wir ganz klassisch mit einer Timeline, wo jeder positive und negative Ereignisse auf Sticky Notes (warum lacht Frederik immer, wenn er das Wort hört?) geschrieben hat und die an die Wand geklebt hat. Dann habe ich Cluster gebildet und zu unserem schlimmsten Problem (zu viel Stress zur Weihnachtszeit) eine Root-Cause-Analyse durchgeführt. Dabei ist dann herausgekommen, dass wir ganz unterschiedliche Erwartungen haben, wie ein schönes Weihnachtsfest aussieht und  was genau für uns der Wert von Weihnachten ist. Aus irgendeinem Grund hat Frederick dann mit einem Edding „ich will mehr Marzipan!“ an die  Wand geschmiert. Am Ende haben wir eine gemeinsame Vision für unser Weihnachten erstellt, die jedes Familienmitglied unterschrieben hat.  Und es sind 3 konkrete Maßnahmen herausgekommen, die wir nächstes Jahr durchführen wollen: Die Kinder bekommen nur jeweils drei Geschenke, die Christmesse ist freiwillig, und Oma übernimmt das Kochen.
Abgeschlossen habe ich die Retrospektive mit dem Witz, dass der Weihnachtsmann ja eigentlich Santa Cloud heißen müsste, weil er heutzutage so viele Gutscheine von iTunes und Amazon verschenkt.
Für die nächste Retrospektive organisiere ich dann einen externen Moderator.



Oma, 81 Jahre
Der Paul hat wieder so einen neumodischen Kram von der Arbeit mit uns ausprobiert: eine Retrospektive. Weil die Anderen Weihnachten immer so anstrengend finden (warum eigentlich?), wollte er daran etwas verbessern. Zuerst hat Paul umständlich erklärt, was genau eine „Retrospektive“ ist, wie man die durchführt und was auf der „Agenda“ steht. In meinem Kegelverein nennen wir so was ja einfach „Versammlung mit einer Tagesordnung“. Aber Paul wollte uns wohl beeindrucken. Die Kekse, die auf dem Tisch standen, waren ganz schön trocken. Aber Renate hat es ja auch nicht so mit dem Backen. Nachdem wir aufgeschrieben hatten, was wir toll und nicht so toll am letzten Weihnachtsfest fanden, hat Paul dann diese viel zu kleinen Zettel umständlich an der Wand hin- und hergeschoben und eine lange Rede gehalten. Da hab ich dann heimlich ein kleines Nickerchen gemacht. Aufgewacht bin ich, weil es plötzlich ganz laut wurde, als Renate mit Frederick geschimpft hat. Der hatte wohl wieder irgendeinen Blödsinn gemacht.
Dann wurde es doch noch schön besinnlich, als wir gemeinsam eine Vision für unser nächstes Weihnachtsfest erstellt haben: Wir möchten gemeinsam ein entspanntes Fest in gemütlicher Atmosphäre verbringen, bei dem wir alle zusammen sind und gemeinsam etwas unternehmen, zum Beispiel singen oder spielen. Geschenke stehen dabei nicht an erster Stelle.
Schade finde ich, dass wir nicht mehr alle zusammen in die Kirche gehen. Aber wenigstens gibt es nächstes Jahr ein vernünftiges Weihnachtsessen, weil ich das Kochen übernehme.
Warum der Weihnachtsmann jetzt ein Dieb sein soll („Santa klaut“), habe ich nicht verstanden.

it-agile wünscht ein frohes Fest und Guten Rutsch!

1 Kommentar:

  1. Retrospektive als leichte Kost verkauft.

    Meiner Meinung nach lernt man durch Geschichten am Meisten. Das geht in die Richtung "Geschichten vom Scrum". Sehr unterhaltsam und ein guter Einstieg in Scrum.

    Freue mich schon auf die nächste Geschichte :-).

    AntwortenLöschen