Sonntag, 20. Mai 2012

LSSC12 - ein Rückblick




Diese Woche war es wieder so weit: Zum vierten Mal fand die Konferenz Lean Software and Systems statt - das Event für Lean und Kanban überhaupt! Und weil das Ganze dies Mal in Boston stattfand, lautete das inoffizielle Motto: The Boston Lean Party ;-)
Sonntag stand ganz im Zeichen des Kennenlernens und des Erfahrungsaustausches: Zum Einen fand das Lean Camp statt - ein ganztägiger OpenSpace, der von Jim Benson organisiert wurde. Gleichzeitig traf sich die "Global Limited WIP Society" - was nichts anderes bedeutet als ein internationaler Erfahrungsaustausch von allen, die eine lokale Limited WIP Society organisieren oder dies vorhaben. Das  Ganze fand im Format Lean Coffee statt. Der Austausch war für mich sehr wertvoll, und ich werde einige Anregungen für die Hamburger Society mitnehmen. Ein großes Thema war übrigens "keeping Kanban weird". Dabei spielen Schafe eine wichtige Rolle - alles Weitere wird sich mit der Zeit ergeben.
Und es gab eine Torte, um den 100. Geburtstag von Taiichi Ohno angemessen zu feiern:-)



David Anderson hat noch die Anekdote erzählt, dass der Name Limited WIP Society von den Gründern eigentlich als zu albern empfunden wurde und es letztlich nur deshalb geschafft hat, weil James Sutton in einer E-Mail geschrieben hat: "That name sounds very Monty Python".
Bei dem Treffen ist übrigens dieses Poster entstanden, auf dem zu sehen ist, wie viele Societys es inzwischen weltweit gibt.


Montag ging es dann mit den Talks los - drei Tage lang fiel die Entscheidung schwer, was man sich ansehen sollte. Kein Wunder, wenn man die Namen der Vortragenden im Programm liest: David Anderson, Karl Scotland, Jeff Patton, David Joyce, Jim Benson, Steven Spear (MIT), Yochai Benkler (Harvard School of Law), Mary Poppendieck, Michael Kennedy - um nur einige zu nennen.

Mein persönliches Highlight war (wieder einmal) der Vortrag von Don Reinertsen. Jedes Mal, wenn man denkt, man hätte jetzt einigermaßen verstanden, worauf es ankommt, gibt es einen neuen Vortrag von Don, und er erklärt einem, warum wir wieder umdenken müssen.
Dies Mal ging es um die Frage nach Zentralisierung und Dezentralisierung. Für mich die Quintessenz: Hohe Ungewissheit bedeutet nicht automatisch, dass wir Selbstorganisation benötigen. Und auch wenn wir es mit Komplexen Problemen zu tun haben, bedeutet das nicht, dass wir gar nicht planen sollten. Schließlich ist es keine Entweder-oder-Frage, ob wir Entscheidungen dezentralisieren, sondern in vielen Fällen ist eine Mischung sinnvoll. Illustriert wurde dies an zwei Beispielen: Den US Marines und professionellen Feuerwehrleuten. Beide Gruppen arbeiten in Kontexten mit extrem hohen Risiken und sehr hoher Ungewissheit. Und beide haben erstaunlich ähnliche Konzept entwickelt, um hiermit umzugehen. Sobald der Vortrag auf Video verfügbar ist, werde ich ihn mir auf jeden Fall noch mal ansehen!



Zusammen mit Markus Andrezak durfte ich auch einen Vortrag halten. Wir haben in Form eines kleinen Theaterstücks erzählt, welche Implikationen der Projekt-Begriff hat, warum es problematisch ist, in Projekten zu denken, wenn man eigentlich ein Produkt entwickelt und wie Kanban hilfreich sein kann, vom Projekt zum Produkt zu kommen.



Wer mehr über die verschiedenen Sessions erfahren möchte, sollte sich diese Blog Posts ansehen von Alexei Zheglov, Liz KeoghYuval YeretMike Burrows

Wie nicht anders zu erwarten, gab es jede Menge spannende Gespräche - ob morgens beim gemeinsamen Frühstück, während der Pausen oder abends bei den Social Events. Allein deswegen hätte sich die Konferenz schon gelohnt:-)

Wie jedes Jahr wurde auch dies Mal der Brickell Key Award des Lean SSC auf der Konferenz verliehen - für "outstanding achievement, leadership and contribution to our community". Das Ganze fand in einem ziemlich feierlichen Rahmen eines Banketts statt. Mir war es schon etwas unangenehm, während der Konferenz riesige Poster mit meinem Bild an den Wänden zu sehen - denn ich war einer der sechs Kandidaten. Völlig überraschend wurde mir dann tatsächlich der Award verliehen - zusammen mit Jim Benson. (Dass ich wirklich völlig überrascht war, wird jeder bezeugen können, der sich im Saal befand, denn ich hatte natürlich keine Rede vorbereitet und konnte nur einige wirre Sätze stammeln...)

Was gibt es sonst noch zu sagen?
  • James Sutton, Präsident des Lean SSC, hat verkündet, dass sich die Organisation umbenennt in Lean Systems Society und sich neu ausrichtet: Vorbild ist die United Kingdom‘s Royal Society. Die Pressemitteilung mit samt dem Mission Statement findet sich hier 
  • Eine Vorab-Version des neuen Buchs von David Anderson war auf der Konferenz erhältlich. 
  • Viele der Vorträge sind in schriftlicher Form als Proceedings veröffentlicht - diese können kostenlos als PDF heruntergeladen werden.
  • Ich habe noch nie eine so gut organisierte Konferenz erlebt! Das Essen war auch ausgezeichnet, und ein so zuverlässiges und schnelles W-LAN auf einer Konferenz ist mir auch noch nie untergekommen:-)
  • Boston ist viel kleiner als ich dachte. Und man kann vom Flughafen ins Hotel mit dem Wasser-Taxi fahren! 
  • Wer auch immer den Spruch "there ain’t no such thing as a free lunch" erfunden hat, lag falsch. Beim Sightseeing auf den MIT-Campus haben wir nämlich tatsächlich ein kostenloses Mittagessen bekommen.
  • Markus hat beinahe Don Reinertsen geohrfeigt (ich habe ein Beweisfoto!), aber das ist eine andere Geschichte...
Mein Fazit: Wer es einrichten kann, sollte diese Konferenz nicht verpassen! Nächstes Jahr findet sie in Chicago statt - vermutlich in der ersten Mai-Woche.

Hier noch ein Bild von der "deutschsprachigen Delegation". Vielen Dank für die tolle Woche an Markus,  Florian und Klaus!



Mittwoch, 16. Mai 2012

My Name is Justin - Justin Time!

In October 2011 I had the idea of giving a talk about the advantages of WIP limitation. The whole talk should be told as a story and all slides should be cartoons. The opportunity came in the shape of the conference Lean Kanban Benelux. The talk was videotaped, so you can watch the video below if you would like to.


Arne Roock - Limiting your WIP - Why and How? from Agileminds on Vimeo.


I still like the idea of telling stories and having them illustrated as cartoons. So a couple of weeks ago we at it-agile decided to print a little brochure with an updated version of the story about Justin and his experiences with Kanban. The brochures was handed out at the conference Lean Software & Systems 2012 in Boston. 



If you could‘t make it to Boston (and you live inside Europe), you can order a free copy at this it-agile website. If you live outside Europe, please get in touch with me, so we can see what we can do.

And if you have any kind of feedback, please do not hesitate to leave a comment or send me an email!

Samstag, 5. Mai 2012

"Kanban does not work for XY"

Some time ago, I read in a blog post something like "Kanban is good for small teams, but it does not work for bigger teams." A couple of weeks later, someone told me "Kanban is appropriate for big teams, but it is nonsense for small teams." What I hear really often is: "Kanban might be good for maintenance teams, but it‘s not working for development teams." But at the same time people say: "Kanban can never work for operations teams." And of course there are rumors that "Kanban is not working in startup environments" or "Kanban is not working in big enterprise environments."

I think there‘s a misunderstanding about the nature of Kanban that causes people to tell such things. Kanban is not a software development method. And Kanban is not a project management method in the first place. Instead, Kanban is a change method. In this respect the answer to the question: "When does Kanban not work?" should be "If a team or organization does not want to change/improve".
And there is one more thing to this: Kanban focuses on improving the flow of value-added tasks. In his Keynote from Lean Kanban Benelux 2011 (which is highly recommended!) David Anderson argues that Kanban is not appropriate when your process does not suffer from overburdening or variability in flow.
That‘s it! If you want to improve and your process suffers from overburdening or variability in flow, Kanban might be an appropriate method. Of course that does not mean that you will automatically succeed with Kanban - there are still quite a lot of pitfalls.

What I‘ve observed during the past years from Kanban teams I‘ve worked with or met at other occasions is that there is a huge variety of contexts in which teams and organizations benefit from Kanban. For example there is e-netconsulting, a rather small web agency that is using an end-to-end Kanban systems (watch experience report from LKCE11). We have an IT department in an public institution that is using Kanban. Then there is Jimdo, a startup with more than 100 employees in three continents (watch experience report from LKCE11). We have SAP, one of the biggest enterprises in the world, where some teams are using Kanban (watch experience report from LKCE11). I‘m working with a company that is building a big database engine. Then there‘s a major dating platform which I visited recently. And we‘ve just started using Kanban at a company that is building a famous Smartphone App. Not to forget mobile.de - Europe‘s biggest online platform for used cars - which uses Kanban for site ops teams, dev teams as well as on a portfolio level. And theses are only the teams I know directly!
All these teams and organizations are completely different, their work is different, their customers are different, their technologies are different, their problems are different. And still they all find it useful to apply Kanban - all in a different way. Is Kanban the right tool for every organization? No! Is there a very wide range of contexts where Kanban is applicable? Yes!


Freitag, 4. Mai 2012

Auf der Suche nach dem Qualitäter

Qualität ist schwer zu fassen. Jeder will sie haben, aber kaum einer kann sagen, was genau Qualität bedeutet, wie man sie herstellt und wie viel Qualität man benötigt.
Zusammen mit meinem Bruder Stefan Roock habe ich mir mal genauer angesehen, welche unterschiedlichen Qualitätskonzepte es in der Softwareentwicklung gibt und was die Agile Welt zu Qualität sagt. Herausgekommen ist ein Rundgang von der ISO-Norm EN ISO-9000:2008 über Jerry Weinberg und Ishakawa Kaoru bis zu Scrum und Kanban.
Unsere Ergebnisse haben wir in drei verschiedenen Varianten aufbereitet:

1) Als "klassischer" Fachartikel, der im BT Magazin erschienen ist und den man hier lesen kann.

2) Als Detektivgeschichte im Marlowe-Stil, die wir als kleine Broschüre gedruckt haben. Die Broschüre kann man sich kostenlos bei it-agile bestellen.



3) Und als Schauspiel, bei dem Sherlock Holmes und Watson den Qualitäten jagen. Dieses Schauspiel haben wir auf der JAX 2012 aufgeführt. Wer es nicht sehen konnte, dem mag dieses Bild einen kleinen Eindruck geben;-)



Bei der JAX ist übrigens auch dieses kurze Interview zum Thema entstanden